Revision 726: Silverstripe CMS, mit Werner Krauß und Andreas Spannbauer
Wir sprechen mit Andreas Spannbauer und Werner Krauß über das Silverstripe CMS, ein PHP-basiertes Open-Source-CMS, das sich vor allem an Entwickler:innen und individuell entwickelte Webprojekte richtet. Werner arbeitet seit mehr als 15 Jahren mit Silverstripe und ist in der Open-Source-Community aktiv, Andreas setzt das System mit seiner Wiener Webagentur vor allem für langfristige, maßgeschneiderte Kundenprojekte ein.
Neben Architektur, Datenmodellierung, Frontend und Headless-Betrieb geht es um die europäische Silverstripe-Community, den Verein S2-Hub und die StripeCon Europe, die vom 16. bis 18. September 2026 in Salzburg stattfindet. Für die Konferenz verlosen wir außerdem drei Tickets. Schreibt dafür ne E-Mail mit „Ich will zur Stripecon“ im Betreff bis zum 07.09.2026 an info@stripecon.eu.
Shownotes
- [00:01:04] Silverstripe CMS, Community und StripeCon Europe
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Silverstripe ist ein seit mehr als 20 Jahren entwickeltes Open-Source-CMS auf PHP-Basis, dessen Ursprünge in Neuseeland liegen. Im Gegensatz zu Systemen, bei denen Redakteur:innen Seitenstrukturen und Komponenten weitgehend selbst zusammenklicken, ist Silverstripe stark entwicklerorientiert. Die Struktur der Inhalte wird im Code definiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei das mitgelieferte ORM: Felder, Datenobjekte und Relationen wie Has-one-, Has-many- oder Many-many-Beziehungen werden in PHP beschrieben und von Silverstripe in die Datenbankstruktur übertragen.
Wir sprechen darüber, warum diese Herangehensweise insbesondere für individuelle und langfristig betriebene Projekte interessant ist. Entwickler:innen definieren Datenstrukturen und Möglichkeiten, während Redakteur:innen im Backend eine auf ihre Aufgaben zugeschnittene Oberfläche erhalten. Dadurch lässt sich beispielsweise vermeiden, dass dieselben Informationen als voneinander unabhängige Textblöcke auf mehreren Seiten gepflegt werden. Stattdessen können Entitäten wie Händler oder Produkte als eigene Datenobjekte modelliert und anschließend an unterschiedlichen Stellen und in verschiedenen Sprachversionen verwendet werden.
Technisch besteht Silverstripe aus einem Framework und dem darauf aufbauenden CMS. Das Framework lässt sich auch ohne klassischen Seitenbaum einsetzen, etwa als Backend für eine Anwendung. Mit dem CMS kommen unter anderem Seiten, Unterseiten, URLs und Navigation hinzu. Über Konventionen legt Silverstripe fest, wie Klassen, Konfigurationen und Templates strukturiert und wo sie abgelegt werden. Das dazugehörige CLI-Tool orientiert sich konzeptionell an Werkzeugen aus Ruby on Rails beziehungsweise Artisan aus Laravel.
Beim Hosting sind die Anforderungen überschaubar: Ein üblicher LAMP-Stack mit aktuellem PHP, MySQL oder MariaDB und Webserver reicht grundsätzlich aus. Praktisch hilfreich sind SSH-Zugang und Composer, weshalb sehr eingeschränkte Hosting-Pakete weniger geeignet sind.
Auch beim Frontend macht Silverstripe vergleichsweise wenige Vorgaben. Zwar gibt es ein eigenes Templating-System, der restliche Frontend-Stack kann aber frei gewählt werden. Gleichzeitig fehlen dadurch weitgehend fertige Themes und Starter-Projekte, wie man sie aus anderen CMS-Ökosystemen kennt. Das passt zur typischen Nutzung von Silverstripe für individuell gestaltete Projekte, führt beim Einstieg aber zu einer steileren Lernkurve. Neben der Komplexität des Frameworks müssen zunächst dessen Konventionen verstanden werden. Sind diese verinnerlicht, lassen sich Datenstrukturen und Anwendungen nach Einschätzung unserer Gäste sehr schnell aufbauen.
Silverstripe kann außerdem als Headless-CMS betrieben werden. Daten lassen sich beispielsweise über REST oder GraphQL an JavaScript-Anwendungen ausliefern. Andreas berichtet von Projekten mit Angular und React, weist aber darauf hin, dass Headless für eine klassische Website zusätzliche Komplexität mit sich bringt und deshalb durch die Anforderungen des Projekts gerechtfertigt sein sollte. Werner setzt bei passenden Projekten stattdessen auf statisch generierte Seiten und lädt dynamische Bestandteile bei Bedarf beispielsweise mit HTMX nach.
Ein weiteres wichtiges Konzept ist die Erweiterbarkeit der Datenobjekte. Über Extensions können bestehende Objekte um Felder, Relationen und Verhalten ergänzt werden, ohne dafür zwingend Subklassen erstellen zu müssen. Hooks wie
onBeforeWriteundonAfterWriteermöglichen zusätzliche Logik beim Speichern. Zusammen mit dem Form-Scaffolding können neue Felder teilweise automatisch im CMS auftauchen.Als Beispiel sprechen wir über individuell entwickelte Shops. Während sich für einen klassischen Shop mit Standardprodukten ein fertiges Shopsystem anbieten kann, sieht Andreas Stärken von Silverstripe bei ungewöhnlichen Anforderungen: stark konfigurierbare Produkte, zusätzliche Metadaten, besondere Checkout-Prozesse, die enge Verzahnung von Commerce und Content oder Produkte mit mehreren Mehrwertsteuerklassen und Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem. Auch blockbasierte Seiten lassen sich umsetzen, wobei Redakteur:innen bewusst nur vordefinierte Varianten angeboten werden können, um ein konsistentes Design zu erhalten.
Weniger geeignet ist Silverstripe dagegen für kurzlebige Landingpages, einfache One-Pager oder Projekte, bei denen weder strukturierte Daten noch langfristige Wartung eine Rolle spielen. Wer das System noch nicht kennt, müsste für solche kleinen Projekte zunächst vergleichsweise viel lernen. Für individuelle, skalierbare Anwendungen und Websites sehen Andreas und Werner dagegen seine wesentlichen Stärken.
Wir sprechen außerdem über die internationale Silverstripe-Community. Sie ist vergleichsweise klein, aber über Europa, Neuseeland, Australien und weitere Regionen verteilt und tauscht sich vor allem über Slack aus. Aus dieser Community entstand die jährlich an wechselnden europäischen Orten stattfindende StripeCon Europe. 2026 trifft sie sich vom 16. bis 18. September in den Stiegl-Brauwelten in Salzburg. Am ersten Tag gibt es einen Hack Day, an dem die Teilnehmer:innen gemeinsam an eigenen Projekten oder Issues arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. An den beiden folgenden Tagen stehen Talks und insbesondere der persönliche Austausch im Hallway Track im Mittelpunkt. Inhaltlich geht es nicht ausschließlich um Silverstripe, sondern auch um angrenzende Themen aus Frontend- und Backend-Entwicklung, Barrierefreiheit und KI.
Die StripeCon Europe versteht sich als Community-Konferenz und richtet sich sowohl an bestehende Silverstripe-Entwickler:innen als auch an Menschen, die das CMS kennenlernen möchten. Tickets kosten ungefähr 250 Euro für alle drei Tage inklusive Verpflegung und Abendprogramm, außerdem gibt es vergünstigte Tickets für Studierende. Wir verlosen drei Tickets: Wer teilnehmen möchte, schickt bis zum 7. September 2026 eine E-Mail mit „Ich will zur StripeCon“ im Betreff an die Adresse info@stripecon.eu.
Hinter der europäischen Community steht außerdem S2-Hub, ein gemeinnütziger österreichischer Verein zur Förderung von Silverstripe in Europa. Die Idee dazu entstand 2019 bei der StripeCon in Krems. Der Verein soll die europäischen Community-Aktivitäten bündeln, Silverstripe bekannter machen und als Ansprechpartner gegenüber dem Silverstripe-Umfeld in Neuseeland dienen. Mitglieder und Board kommen aus verschiedenen europäischen Ländern und Agenturen. Überschüsse aus der StripeCon fließen zurück in diese Arbeit.
Zum Abschluss empfehlen Andreas und Werner allen Interessierten, Silverstripe selbst auszuprobieren und bei Fragen Kontakt zur Community aufzunehmen. Neben Slack und S2Hub bietet auch der Hack Day der StripeCon eine Gelegenheit, gemeinsam mit erfahrenen Community-Mitgliedern in das System einzusteigen.
Links
- Silverstripe CMS
Offizielle Website und Dokumentation des in der Folge besprochenen Open-Source-CMS.
- StripeCon Europe 2026
Website der vom 16. bis 18. September 2026 in Salzburg stattfindenden Community-Konferenz.
- S2-Hub
Europäischer Verein zur Förderung von Silverstripe und seiner Open-Source-Community.
- Silverstripe Community Slack
Slack-Community für Austausch, Fragen und gegenseitige Unterstützung rund um Silverstripe.