Revision 717: Ein Jahr BFSG, mit Nina Gerling
Wir sprechen mit Nina Gerling über das erste Jahr nach dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG). Nina bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich digitale Barrierefreiheit mit und berichtet aus ihrer Arbeit als Beraterin, Auditorin und Mitglied verschiedener Accessibility-Communities.
Gemeinsam schauen wir darauf, welche Auswirkungen das BFSG in der Praxis hat, welche Produkte und Dienstleistungen tatsächlich betroffen sind und wo sich bereits erste Herausforderungen, Missverständnisse und Schlupflöcher zeigen. Außerdem sprechen wir darüber, warum Barrierefreiheit weit über Webseiten hinausgeht und welche Rolle Banken, Telekommunikation, E-Books, Selbstbedienungsterminals und digitale Dienstleistungen im Alltag vieler Menschen spielen.
Shownotes
- [00:01:02] Ein Jahr BFSG: Was hat sich verändert?
Nina erzählt von ihrem Weg von der Frontend-Entwicklung in die Beratung für digitale Barrierefreiheit und berichtet, wie sich die Accessibility-Szene durch das Inkrafttreten des BFSG verändert hat. Wir sprechen darüber, warum plötzlich viele neue Expert:innen aufgetaucht sind, weshalb Barrierefreiheit ein enorm breites Fachgebiet ist und warum man auch nach Jahrzehnten noch ständig dazulernt.Anschließend ordnen wir das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ein. Dabei geht es um die Übergangsfristen, die Unterschiede zwischen Bestands- und Neusystemen sowie um die Frage, welche Produkte und Dienstleistungen überhaupt betroffen sind. Nina erläutert, dass das Gesetz vor allem verbraucherorientierte Angebote adressiert und nicht pauschal jede Website erfasst.
Wir betrachten verschiedene Anwendungsfälle wie Websites und Apps mit Vertragsabschluss, E-Books und E-Book-Reader, Selbstbedienungsterminals, Streaming- und Medienangebote sowie Telekommunikationsdienste. Besonders interessant ist die Diskussion über Echtzeit-Textkommunikation für gehörlose Menschen und die technischen Voraussetzungen in den Mobilfunknetzen, die durch europäische Vorgaben vorangetrieben werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die praktische Bedeutung von Barrierefreiheit im Alltag. Am Beispiel von Banken, Geldautomaten und digitalen Bankdienstleistungen diskutieren wir, warum Barrierefreiheit nicht nur Komfort bedeutet, sondern häufig Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist. Dabei wird deutlich, wie eng physische und digitale Zugänge inzwischen miteinander verknüpft sind.
Gegen Ende sprechen wir über die Durchsetzung von Barrierefreiheit, über Meldewege für Verstöße und über die Rolle von Community-Angeboten, Verbänden und Netzwerken. Dabei geht es auch um den Austausch innerhalb der Accessibility-Community sowie um Möglichkeiten für Menschen, die sich dem Thema erstmals nähern möchten.
Links
- Nina Gerling auf LinkedIn
Ninas LinkedIn-Profil mit Hinweisen auf Vorträge, Webinare und Beiträge rund um digitale Barrierefreiheit.
- MLBF
Projekt und Informationsangebot rund um Meldungen und Beschwerden zu mangelnder Barrierefreiheit von Marcus Herrmann.
- Barrieren-Gutachten
Portal zur Meldung und Dokumentation von Barrieren, insbesondere im öffentlichen Bereich von Casey Kreer & Mitstreiter:innen.
- IAAP D-A-CH
Fachverband für digitale Barrierefreiheit im deutschsprachigen Raum mit Webinaren und Veranstaltungen.
- Accessibility Club
Niedrigschwellige Community-Treffen für Menschen, die sich mit digitaler Barrierefreiheit beschäftigen oder einsteigen möchten.
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